Miete und Kinder und vielleicht ein bisschen Nebenverdienst — das Jobcenter macht die Rechnung dahinter selten leicht verständlich. Mit unserem Rechner tippen Sie ein paar Zahlen ein und sehen sofort eine realistische Schätzung nach den Regelsätzen 2026. Kein Konto keine Anmeldung und es dauert wirklich nur eine Minute.
Burgergeldrechner
Ermitteln Sie in unter einer Minute Ihren voraussichtlichen Anspruch
1. Haushalt
2. Wohnkosten
3. Einkommen
Ihre Berechnung im Detail
Burgergeld : Was Ihnen wirklich zusteht — und wie der Rechner das ermittelt
Sie haben oben ein paar Zahlen eingetippt und eine Summe bekommen. Gut. Aber was steckt eigentlich dahinter? Warum bekommt eine alleinstehende Person 563 Euro und nicht 600? Warum zählt nicht jeder verdiente Euro gegen Sie? Und was ist mit dem Ersparten auf dem Konto?
Genau darum geht es jetzt. Kein Behördendeutsch. Kein Paragraphen-Wirrwarr. Einfach verständlich erklärt — so wie es Ihnen ein Freund erklären wurde, der sich zufällig gut auskennt.
Kurzer Hinweis vorab: Neuer Name, gleiche Idee
Seit dem 1. Juli 2026 heißt die Leistung offiziell nicht mehr Burgergeld, sondern Grundsicherungsgeld. Der Bundestag hat die Reform im März 2026 beschlossen. Die Regelsätze selbst haben sich dadurch nicht verändert — 563 Euro fur Alleinstehende bleiben 563 Euro. Was sich geändert hat: Jobcenter prufen Vermögen wieder von Anfang an, die fruhere sechsmonatige Karenzzeit ist weggefallen, und der Vermittlungsvorrang in Arbeit steht wieder stärker im Fokus.
Trotzdem sagen fast alle Menschen weiterhin „Burgergeld” dazu, so wie viele bis heute „Hartz IV” sagen, obwohl das schon 2023 abgelöst wurde. Wir verwenden hier beide Begriffe — gemeint ist dasselbe.
Was Grundsicherungsgeld eigentlich ist
Grundsicherungsgeld ist keine Belohnung und keine Strafe. Es ist ein Auffangnetz fur Menschen, die aus eigener Kraft gerade nicht genug zum Leben haben. Das kann viele Grunde haben: Jobverlust, ein Gehalt, das trotz Vollzeitstelle nicht reicht, eine Trennung, Krankheit, oder einfach eine Lucke zwischen zwei Lebensabschnitten.
Die Idee dahinter ist simpel: Der Staat garantiert ein Existenzminimum. Reicht Ihr eigenes Einkommen nicht dafur aus, fullt das Jobcenter die Lucke. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wichtig zu wissen: Es gibt keine Schande dabei. Millionen Menschen in Deutschland beziehen zeitweise Grundsicherung — oft nur fur ein paar Monate, bis sich die Situation wieder stabilisiert.
Wer uberhaupt Anspruch hat
Grundsätzlich haben Sie Anspruch, wenn drei Dinge zusammenkommen:
Erstens: Sie sind erwerbsfähig, also grundsätzlich in der Lage, mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten. Das gilt auch, wenn Sie aktuell keinen Job haben oder krankgeschrieben sind.
Zweitens: Sie sind zwischen 15 Jahren und der gesetzlichen Regelaltersgrenze.
Drittens: Sie sind hilfebedurftig, das heißt Ihr Einkommen und Vermögen reichen nicht aus, um Ihren Lebensunterhalt und den Ihrer Familie zu decken.
Auch wenn Sie einen Job haben, kann ein Anspruch bestehen. Man nennt das „Aufstocken”. Viele Menschen mit Minijob, Teilzeitstelle oder niedrigem Vollzeitgehalt bekommen zusätzlich Grundsicherungsgeld, weil ihr Verdienst allein nicht fur Miete und Lebenshaltung reicht. Das ist keine Ausnahme, sondern fur hunderttausende Menschen in Deutschland ganz normaler Alltag.
Der Regelsatz: Das Herzstuck der Berechnung
Der Regelsatz deckt Ihren laufenden Bedarf — Essen, Kleidung, Hygieneartikel, Strom, Freizeit, alles außer Miete. Die Höhe richtet sich nach Alter und Haushaltskonstellation.
Fur 2026 gelten diese Beträge:
Eine alleinstehende Person oder Alleinerziehende bekommt 563 Euro im Monat. Leben zwei Erwachsene als Paar in einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft zusammen, bekommt jeder 506 Euro — das sind 90 Prozent des vollen Satzes, weil man davon ausgeht, dass gemeinsames Wirtschaften gunstiger ist als getrenntes.
Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren, die noch bei den Eltern wohnen oder ohne Zustimmung des Jobcenters ausziehen, erhalten 402 Euro.
Bei Kindern wird nach Alter gestaffelt: Kinder bis 6 Jahre bekommen 357 Euro, Kinder von 7 bis 14 Jahren 390 Euro, und Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren 471 Euro.
Warum diese komische Staffelung? Weil ältere Kinder in der Realität mehr kosten — mehr Essen, teurere Kleidung, mehr soziale Teilhabe. Die Sätze basieren auf statistischen Erhebungen daruber, was Familien mit niedrigem Einkommen tatsächlich fur ihre Kinder ausgeben.
Ein Beispiel macht das greifbar: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Alter von 5 und 12 Jahren kommt allein beim Regelsatz auf 506 + 506 + 357 + 390 = 1.759 Euro. Und das ist erst der Anfang der Rechnung.
Die Miete kommt oben drauf
Anders als viele denken, ist der Regelsatz nicht alles. Zusätzlich ubernimmt das Jobcenter die Kosten der Unterkunft, kurz KdU — also Kaltmiete, Nebenkosten und Heizung zusammen.
Der Haken dabei: Es muss „angemessen” sein. Jedes Jobcenter hat dafur eigene Richtwerte, die sich nach Wohnort und Haushaltsgröße richten. Eine vierköpfige Familie in Munchen darf logischerweise mehr Miete haben als eine alleinstehende Person in einer ländlichen Kleinstadt.
Wohnen Sie aktuell teurer, als die Richtwerte erlauben, heißt das nicht automatisch, dass Sie sofort umziehen mussen. In der Regel bekommen Sie zunächst eine Ubergangsfrist, meist sechs Monate, in denen die volle Miete trotzdem ubernommen wird. Danach wird es enger — entweder Sie finden eine gunstigere Wohnung, oder Sie mussen die Differenz aus dem Regelsatz mitfinanzieren.
Seit der Reform zur neuen Grundsicherung prufen Jobcenter die Angemessenheit der Wohnkosten ubrigens von Beginn an strenger als fruher. Ein Grund mehr, realistische Zahlen in den Rechner einzutragen.
Jetzt wird es interessant: Wie Einkommen angerechnet wird
Das hier ist der Teil, den die wenigsten wirklich verstehen — und genau deshalb lohnt es sich, ihn genau zu lesen.
Viele glauben: „Wenn ich arbeiten gehe, wird mir jeder Euro vom Burgergeld abgezogen, also lohnt sich Arbeit nicht.” Das stimmt so nicht. Das Gesetz sieht ausdrucklich Freibeträge vor, damit sich Erwerbstätigkeit immer lohnt.
So funktioniert es Schritt fur Schritt: Die ersten 100 Euro Ihres Bruttoeinkommens bleiben komplett anrechnungsfrei. Diese Pauschale bekommen Sie automatisch, ganz ohne Nachweis von Werbungskosten.
Verdienen Sie mehr als 100 Euro, greift eine zweite Stufe: Von jedem Euro zwischen 100 und 520 Euro durfen Sie 20 Prozent zusätzlich behalten. Zwischen 520 und 1.000 Euro (oder 1.200 Euro, wenn ein minderjähriges Kind im Haushalt lebt) sind es 30 Prozent. Und selbst zwischen dieser Grenze und 2.000 Euro bleiben noch einmal 10 Prozent anrechnungsfrei.
Klingt kompliziert? Ein Rechenbeispiel hilft: Jemand verdient 800 Euro netto im Monat, ohne Kinder im Haushalt. Die ersten 100 Euro sind frei. Von den nächsten 420 Euro (bis 520) bleiben 20 Prozent frei, also 84 Euro. Von den restlichen 280 Euro (520 bis 800) bleiben 30 Prozent frei, also 84 Euro. Insgesamt bleiben also 100 + 84 + 84 = 268 Euro komplett unangetastet. Nur die restlichen 532 Euro werden auf den Bedarf angerechnet.
Das bedeutet: Arbeiten lohnt sich immer, auch wenn Sie gleichzeitig Grundsicherungsgeld beziehen. Am Ende des Monats haben Sie mit Job immer mehr Geld zur Verfugung als ohne.
Bei anderem Einkommen sieht es anders aus. Kindergeld, Unterhaltszahlungen, Renten oder Krankengeld werden in aller Regel zu 100 Prozent angerechnet, ohne Freibetrag. Der Gesetzgeber unterscheidet bewusst: Erwerbseinkommen soll sich lohnen und wird deshalb begunstigt, passives Einkommen dagegen nicht zusätzlich gefördert.
Und was ist mit meinem Ersparten?
Hier hat sich mit der Reform 2026 tatsächlich einiges verändert. Fruher galt fur die ersten sechs Monate eine großzugige Karenzzeit: 40.000 Euro pro Person plus 15.000 Euro fur jede weitere Person im Haushalt blieben automatisch geschutzt, egal woher das Geld stammte.
Seit dem 1. Juli 2026 ist diese Karenzzeit entfallen. Stattdessen gelten von Anfang an altersabhängige Schonvermögens-Freibeträge, die deutlich niedriger liegen als die fruhere Karenzzeit-Grenze — grob im Bereich von 5.000 bis 20.000 Euro pro Person, je nachdem wie alt Sie sind und wie lange Sie bereits gearbeitet haben.
Liegt Ihr gesamtes verwertbares Vermögen unter diesem Freibetrag, spielt es fur den Anspruch keine Rolle. Liegen Sie daruber, mussen Sie das uberschussige Vermögen zunächst aufbrauchen, bevor wieder ein Anspruch entsteht.
Nicht alles zählt dabei als Vermögen im rechtlichen Sinne. Geschutzt bleiben weiterhin: eine selbst bewohnte, angemessen große Immobilie, ein angemessenes Auto (grob bis etwa 15.000 Euro Wert), notwendige Altersvorsorge wie geförderte Riester-Verträge, sowie ein gewisser Betrag an Bargeld und Ersparnissen fur unvorhergesehene Ausgaben.
Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Vermögen unter der Grenze liegt: Der Rechner oben geht davon in der vereinfachten Version zunächst pauschal aus. Fur eine verbindliche Einschätzung Ihrer individuellen Situation lohnt sich immer ein Gespräch mit dem Jobcenter oder einer Schuldnerberatung.
Eine vollständige Beispielrechnung
Nehmen wir eine realistische Situation: Ein alleinerziehender Vater mit einem achtjährigen Kind. Er arbeitet Teilzeit und verdient 600 Euro netto im Monat. Die Warmmiete fur die gemeinsame Wohnung liegt bei 780 Euro.
Der Bedarf setzt sich so zusammen: Regelsatz fur ihn selbst als Alleinerziehenden 563 Euro, Regelsatz fur das Kind (7 bis 14 Jahre) 390 Euro, dazu die Warmmiete von 780 Euro. Macht zusammen einen Gesamtbedarf von 1.733 Euro.
Jetzt zum Einkommen: Bei 600 Euro und einem Kind im Haushalt liegt die zweite Freibetragsgrenze bei 1.200 Euro statt 1.000 Euro, das spielt hier aber noch keine Rolle, weil das Einkommen darunter bleibt. Die ersten 100 Euro sind frei. Von den restlichen 500 Euro bleiben in der 20-Prozent-Stufe (100 bis 520 Euro) genau 84 Euro frei. Von den letzten 80 Euro (520 bis 600) bleiben 30 Prozent frei, also 24 Euro. Insgesamt bleiben 100 + 84 + 24 = 208 Euro unangetastet.
Anrechenbar sind also 600 minus 208, macht 392 Euro.
Die finale Rechnung: 1.733 Euro Bedarf minus 392 Euro anrechenbares Einkommen ergibt einen Anspruch von 1.341 Euro monatlich. Zusammen mit seinem Gehalt hat der Vater am Ende also 600 plus 1.341, also 1.941 Euro zur Verfugung — deutlich mehr, als wenn er gar nicht arbeiten wurde.
Genau solche Rechnungen fuhrt unser Rechner oben fur Ihre individuelle Situation in Sekunden durch.
Wie Sie tatsächlich Grundsicherungsgeld beantragen
Der Rechner gibt Ihnen eine Orientierung. Die verbindliche Entscheidung trifft am Ende das Jobcenter. Der Weg dahin läuft in der Praxis meist so ab:
Zuerst stellen Sie einen formlosen Antrag, entweder online uber die Webseite der Bundesagentur fur Arbeit, persönlich im zuständigen Jobcenter, oder telefonisch. Wichtig: Stellen Sie den Antrag so fruh wie möglich. Leistungen werden in der Regel erst ab dem Monat gezahlt, in dem der Antrag eingegangen ist — ruckwirkend gibt es normalerweise nichts.
Danach folgen die ausfuhrlichen Antragsformulare. Sie mussen Einkommen, Vermögen, Mietvertrag, Kontoauszuge der letzten Monate und persönliche Daten aller Haushaltsmitglieder angeben. Das klingt nach viel Papierkram, und ehrlich gesagt: Das ist es auch. Nehmen Sie sich Zeit und sammeln Sie Unterlagen vorab, das erspart Ihnen spätere Ruckfragen.
Anschließend pruft das Jobcenter Ihren Antrag und lädt Sie häufig zu einem persönlichen Beratungsgespräch ein. Dort werden auch mögliche Eingliederungsmaßnahmen besprochen — also Unterstutzung bei der Jobsuche, Weiterbildungen oder Qualifizierungen.
Nach Prufung erhalten Sie einen Bescheid mit der genauen Höhe Ihrer Leistung. Die Zahlung erfolgt in der Regel monatlich im Voraus, meist zwischen dem 1. und 3. Werktag des Monats.
Ein praktischer Tipp: Wenn sich Ihre Situation ändert — neuer Job, höheres Gehalt, Umzug, Familienzuwachs — mussen Sie das dem Jobcenter unverzuglich melden. Das ist keine Kur, sondern Pflicht, und spart Ihnen später Ärger mit Ruckforderungen.
Häufige Denkfehler, die bares Geld kosten
Immer wieder erleben wir, dass Menschen sich unnötig Sorgen machen oder sich Anspruche entgehen lassen, weil bestimmte Mythen hartnäckig im Umlauf sind.
Mythos eins: „Mit Nebenjob lohnt sich Burgergeld nicht mehr.” Falsch, wie oben gezeigt bleibt durch die Freibeträge immer ein finanzieller Vorteil bestehen.
Mythos zwei: „Wer ein Auto hat, bekommt nichts.” Auch falsch. Ein angemessenes Fahrzeug ist ausdrucklich geschutzt, gerade wenn Sie es fur den Arbeitsweg brauchen.
Mythos drei: „Ich muss zuerst alles Erspartes komplett aufbrauchen.” Nicht ganz richtig — der Schonvermögens-Freibetrag schutzt einen bestimmten Betrag von vornherein, Sie mussen also nicht bei null anfangen.
Mythos vier: „Studenten und Auszubildende haben nie Anspruch.” Das stimmt in vielen Fällen tatsächlich, weil dafur meist BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe vorrangig ist. Aber es gibt Ausnahmen, etwa bei bestimmten Zusatzleistungen oder in besonderen Härtefällen — ein Einzelfallcheck lohnt sich hier immer.
Was der Rechner leisten kann — und was nicht
Unser Rechner oben nimmt Ihnen die komplizierte Freibetragsrechnung ab und gibt Ihnen in unter einer Minute eine realistische erste Einschätzung. Er berucksichtigt Regelsätze, Mietkosten und die gestaffelten Einkommensfreibeträge nach den aktuellen Werten fur 2026.
Was er nicht kann: eine hundertprozentig verbindliche Entscheidung treffen. Faktoren wie regionale Mietobergrenzen, besondere Mehrbedarfe (zum Beispiel bei Schwangerschaft, Behinderung oder Alleinerziehung), einmalige Bedarfe oder komplexe Vermögenssituationen kann eine automatisierte Berechnung nicht vollständig abbilden. Die endgultige Berechnung nimmt immer das zuständige Jobcenter vor.
Betrachten Sie das Ergebnis als das, was es ist: eine fundierte, realistische Orientierung, mit der Sie gut vorbereitet und informiert in ein Beratungsgespräch gehen können — nicht als bindenden Bescheid.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich alle Einnahmen angeben, auch kleine Beträge? Ja. Auch geringe Einnahmen wie Trinkgelder, kleine Verkäufe oder unregelmäßige Zuwendungen sollten Sie angeben. Verschweigen kann als Leistungsbetrug gewertet werden und hat ernste Konsequenzen.
Was passiert, wenn ich einen Minijob annehme, während ich Grundsicherungsgeld beziehe? Der Verdienst wird nach den oben beschriebenen Freibeträgen angerechnet. Da die ersten 100 Euro komplett frei bleiben, lohnt sich ein Minijob in fast jedem Fall finanziell.
Bekomme ich auch Geld fur Krankenversicherung? Ja. Das Jobcenter ubernimmt bei Anspruch auf Grundsicherungsgeld automatisch Ihre Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, zusätzlich zum Regelsatz.
Wie lange dauert die Bearbeitung eines Antrags? Das ist von Jobcenter zu Jobcenter unterschiedlich, in der Regel sollten Sie mit zwei bis sechs Wochen rechnen. Bei akuter finanzieller Notlage können Sie einen Vorschuss beantragen.
Kann ich Widerspruch einlegen, wenn ich mit dem Bescheid nicht einverstanden bin? Ja, innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids können Sie schriftlich Widerspruch einlegen. Das kostet nichts und ist ein normaler, oft erfolgreicher Teil des Verfahrens.
Wirkt sich eine Erbschaft auf meinen Anspruch aus? In der Regel ja, eine Erbschaft zählt als Vermögen und kann, wenn sie uber dem Schonvermögens-Freibetrag liegt, den Anspruch vorubergehend mindern oder aufheben.
Sonderfälle: Selbstständige, Studierende und Rentner
Nicht jede Situation passt in das klassische Schema. Ein paar Gruppen verdienen einen genaueren Blick.
Selbstständige. Wer selbstständig arbeitet und trotzdem zu wenig verdient, kann ebenfalls Grundsicherungsgeld beantragen. Der Unterschied liegt in der Einkommensermittlung: Statt eines festen Nettogehalts wird meist ein vorläufiger Bewilligungszeitraum von sechs Monaten angesetzt, danach erfolgt eine endgultige Abrechnung anhand der tatsächlichen Betriebseinnahmen und -ausgaben. Schwankende Monatseinnahmen, wie sie bei Selbstständigkeit ublich sind, werden also uber den gesamten Zeitraum gemittelt. Das kann am Anfang etwas Kopfschmerzen bereiten, ist aber ein etabliertes und faires Verfahren.
Studierende und Auszubildende. Hier gilt grundsätzlich: Wer BAföG-berechtigt ist oder Berufsausbildungsbeihilfe bekommen könnte, hat in der Regel keinen Anspruch auf Grundsicherungsgeld, weil diese Leistungen vorrangig sind. Es gibt aber wichtige Ausnahmen. Dazu zählen etwa besondere Härtefälle, Zuschusse fur Mehrbedarfe wie eine Schwangerschaft während des Studiums, oder Situationen, in denen kein BAföG-Anspruch besteht, etwa weil die Regelstudienzeit uberschritten wurde. Ein individuelles Beratungsgespräch lohnt sich hier fast immer, weil pauschale Aussagen oft zu kurz greifen.
Rentnerinnen und Rentner. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, bezieht in der Regel nicht Grundsicherungsgeld, sondern die separate Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII. Die Berechnungslogik ist der von Grundsicherungsgeld sehr ähnlich, läuft aber uber das Sozialamt statt uber das Jobcenter. Auch hier gilt: Regelsatz plus angemessene Miete minus anrechenbares Einkommen.
Pflichten, die mit dem Anspruch einhergehen
Grundsicherungsgeld ist keine bedingungslose Zahlung. Wer erwerbsfähig ist, wird erwartet, aktiv an der eigenen Situation mitzuwirken. Seit der Reform zur neuen Grundsicherung gilt der sogenannte Vermittlungsvorrang wieder deutlich strenger als in den letzten Jahren: Ist eine zumutbare Arbeitsstelle verfugbar, soll sie vorrangig angenommen werden, bevor uber andere Maßnahmen wie Weiterbildungen nachgedacht wird.
Dazu gehören typischerweise: Termine beim Jobcenter wahrnehmen, sich aktiv um Arbeit bemuhen, eine sogenannte Eingliederungsvereinbarung unterschreiben und deren Vorgaben einhalten, sowie Änderungen der eigenen Situation zeitnah melden.
Wer diese Pflichten ohne triftigen Grund wiederholt missachtet, muss seit der Reform mit spurbareren Konsequenzen rechnen als zuvor — bis hin zu zeitweisen Kurzungen der Leistung. Das klingt streng, betrifft in der Praxis aber nur einen kleinen Teil der Leistungsbeziehenden. Wer sich meldet, Termine wahrnimmt und ehrlich mitwirkt, hat in aller Regel keinerlei Probleme.
Ein Tipp aus der Praxis: Sollten Sie einen Termin einmal wirklich nicht wahrnehmen können, etwa wegen Krankheit, melden Sie sich vorher oder unmittelbar danach beim Jobcenter und reichen Sie, wenn möglich, eine Bescheinigung nach. Das verhindert fast immer unnötigen Ärger.
Burgergeld, Grundsicherungsgeld und Arbeitslosengeld — wo liegt der Unterschied?
Diese beiden Begriffe werden im Alltag oft durcheinandergeworfen, meinen aber grundverschiedene Dinge.
Arbeitslosengeld I ist eine Versicherungsleistung. Haben Sie in den letzten Jahren mindestens zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt und verlieren dann Ihren Job, erhalten Sie ublicherweise zwischen 60 und 67 Prozent Ihres letzten Nettogehalts, gestaffelt je nachdem ob Kinder im Haushalt leben. Die Zahlung ist zeitlich begrenzt, meist auf 12 bis 24 Monate, abhängig von Alter und Beitragsdauer.
Grundsicherungsgeld dagegen ist eine steuerfinanzierte Fursorgeleistung. Sie richtet sich nicht nach Ihrem fruheren Gehalt, sondern ausschließlich nach Ihrem aktuellen Bedarf — Regelsatz plus angemessene Wohnkosten. Es gibt keine feste zeitliche Grenze: Solange die Bedurftigkeit besteht, wird gezahlt, egal ob das drei Monate oder mehrere Jahre sind.
In der Praxis läuft es häufig so: Nach Jobverlust bekommen Sie zunächst Arbeitslosengeld I. Läuft dieser Anspruch aus, ohne dass Sie eine neue Stelle gefunden haben, rutschen Sie automatisch in die Grundsicherung — vorausgesetzt, Ihr sonstiges Einkommen und Vermögen reichen nicht aus. Reicht das Arbeitslosengeld I allein nicht zum Leben, etwa weil Sie vorher nur Teilzeit gearbeitet haben, ist auch ein gleichzeitiger Bezug beider Leistungen möglich — man spricht dann von Aufstockung.
Regionale Unterschiede, die den Rechner beeinflussen
Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird: Grundsicherungsgeld ist keine bundesweit einheitliche Summe. Während der Regelsatz uberall in Deutschland gleich hoch ist, unterscheiden sich die angemessenen Wohnkosten massiv von Region zu Region.
In Städten wie Munchen, Frankfurt oder Hamburg liegen die anerkannten Mietobergrenzen deutlich uber denen in ländlichen Gegenden Ostdeutschlands oder strukturschwachen Regionen im Westen. Das bedeutet: Zwei identische Haushalte mit gleichem Einkommen können je nach Wohnort einen spurbar unterschiedlichen Gesamtanspruch haben, einfach weil die anerkannte Warmmiete unterschiedlich hoch ausfällt.
Der Rechner oben arbeitet deshalb bewusst mit der Warmmiete, die Sie tatsächlich zahlen, als Näherungswert. Fur eine exakte Prufung, ob Ihre Miete als „angemessen” gilt, hilft am Ende nur der Blick in die örtliche Mietobergrenzen-Tabelle Ihres Jobcenters oder ein direktes Nachfragen.
Weitere Fragen aus der Praxis
Zählt Kindergeld zum Einkommen des Kindes oder der Eltern? Kindergeld wird in der Regel dem Kind als eigenes Einkommen zugerechnet und dort angerechnet, nicht dem Einkommen der Eltern. Reicht das Kindergeld zusammen mit anderem kindbezogenem Einkommen, um den Bedarf des Kindes zu decken, kann fur das Kind selbst manchmal sogar kein zusätzlicher Anspruch mehr bestehen, während die Eltern weiterhin Anspruch haben.
Was ist, wenn meine Wohnung eigentlich zu groß oder zu teuer ist? Das Jobcenter pruft die Angemessenheit anhand von Wohnfläche und ortsublicher Miete. Wird Ihre Wohnung als unangemessen groß oder teuer eingestuft, erhalten Sie in der Regel zunächst eine Frist von etwa sechs Monaten, in der die tatsächlichen Kosten trotzdem voll ubernommen werden. Erst danach wird gegebenenfalls nur noch der angemessene Anteil gezahlt.
Kann ich Grundsicherungsgeld bekommen, wenn mein Partner gut verdient? Innerhalb einer Bedarfsgemeinschaft wird das Einkommen aller Mitglieder gemeinsam betrachtet. Verdient Ihr Partner ausreichend, um den gemeinsamen Bedarf zu decken, besteht in der Regel kein eigener Anspruch fur Sie, selbst wenn Sie persönlich kein Einkommen haben.
Muss ich Umzugskosten selbst tragen, wenn ich wegen zu hoher Miete umziehen muss? Nein, in vielen Fällen ubernimmt das Jobcenter angemessene Umzugskosten, sofern der Umzug vorher abgestimmt und genehmigt wurde. Ein Alleingang ohne vorherige Zustimmung kann dagegen zu Problemen fuhren.
Checkliste: Diese Unterlagen sollten Sie bereithalten
Bevor Sie den Antrag stellen, sparen Sie sich viel Hin und Her, wenn Sie folgende Unterlagen schon einmal zusammensuchen: Personalausweis oder Reisepass aller Haushaltsmitglieder, den aktuellen Mietvertrag samt Nachweis der letzten gezahlten Miete, Kontoauszuge der letzten drei Monate fur alle Konten, Gehaltsabrechnungen oder Nachweise uber sonstiges Einkommen, Nachweise uber vorhandenes Vermögen wie Sparbucher oder Wertpapierdepots, sowie bei Kindern die Geburtsurkunden und gegebenenfalls den Kindergeldbescheid.
Je vollständiger Ihre Unterlagen beim ersten Termin sind, desto schneller läuft in der Regel die Bearbeitung. Fehlende Nachweise sind der häufigste Grund fur Verzögerungen — nicht Willkur der Sachbearbeitung, sondern schlicht fehlende Papierform.
Zum Schluss: Nutzen Sie, was Ihnen zusteht
Grundsicherungsgeld ist kein Geschenk und keine Gnade — es ist ein gesetzlich verankertes Recht, finanziert von der Solidargemeinschaft, genau fur Situationen wie Ihre gedacht. Die Berechnung mag auf den ersten Blick kompliziert wirken, mit dem Rechner oben und diesem Uberblick haben Sie jetzt aber die wichtigsten Bausteine an der Hand.
Tragen Sie Ihre Zahlen ein, schauen Sie sich das Ergebnis an, und wenn es passt: Zögern Sie nicht, den Antrag tatsächlich zu stellen. Jeder Monat, den Sie warten, ist ein Monat, in dem Ihnen Geld entgeht, das Ihnen eigentlich zusteht.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Fur eine verbindliche Auskunft zu Ihrer persönlichen Situation wenden Sie sich an Ihr zuständiges Jobcenter oder eine unabhängige Sozial- und Schuldnerberatung.